Der Ökologische Fussabdruck von Freiburg

Vorschlag zur Einführung des „Ökologischen Fußabdrucks“ als Indikator bei der Diskussion um den Flächennutzungsplan 2020 der Stadt Freiburg

Beitrag zur Leitzieldiskussion im Rahmen der Bürgerbeteiligung zum Flächennutzungsplan

Auf der Eröffnungsveranstaltung zur Bürgerbeteiligung zum Flächennutzungsplan 2020 schlug Frau Bauß für die Lokale Agenda 21 vor, Flächen in Freiburg, die neu durch Wohnen, Gewerbe oder Verkehr beansprucht werden, zu kompensieren durch einen Ausgleich in anderen Bereichen der Flächeninanspruchnahme.

Dazu wurde bereits vor vielen Jahren eine Methode entwickelt, die unter dem Namen der „ökologische Fußabdruck“ bekannt geworden ist.

Was ist der Ökologische Fußabdruck?

Der ökologische Fußabdruck ist eine Umrechung des menschlichen Konsums von Energie und Gütern einer Region in eine Land- und/oder Wasserfläche. Anders formuliert spiegelt der Fußabdruck die Landfläche wieder, die ein Wirtschaftsraum benötigt, um seine Stoff- und Energieströme aufrecht zu erhalten.

Wie geht das?

Die Methode wurde von der Arbeitsgruppe für Gesunde und Nachhaltige Gemeinden an der Universität von British-Kolumbien, Kanada entwickelt (Wackernagel & Rees,1996).
Grundlage der Berechnung ist der Pro-Kopf-Verbrauch der wichtigsten Konsumgüter (Rohstoffe, Energie, Lebensmittel, Möbel, Häuser, Autos u.v.m.) einer Bevölkerung. In einem nächsten Schritt wird kalkuliert, wie viel „ökologische Fläche“ jedes Gut belegt.
Ein Beispiel: Wie wird zum Beispiel der Konsum fossiler Energie, wie z.B. Öl oder Erdgas in Fläche umgerechnet?
Wenn man fossile Energieträger nutzt entsteht unter anderem das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2). Pflanzen haben die Eigenschaft CO2 binden zu können. So kann z.B. 1 Hektar (=10.000m2) Wald durchschnittlich 3-4 Tonnen CO2 aus der Atmosphäre binden. Diese Menge entspricht der Menge an CO2, wie sie bei der Verbrennung von ca. 1878 Liter Öl in die Atmosphäre abgegeben wird. Das bedeutet für den „ökologischen Fußabdruck, dass man bei der Verbrennung von 1878 Liter Öl, 1 Hektar Waldfläche in Anspruch nimmt.
Auf diese und ähnliche Weise kann die Nutzung aller wesentlichen Konsumgüter in Fläche umgerechnet werden und zu den „real“ in Anspruch genommenen Flächen für Wohnen, Verkehr oder Gewerbe addiert werden.
An Ende ergibt sich eine Gesamtfläche pro Einwohner, angegeben z.B. in Hektar.
Der ökologische Fußabdruck einer Region, z.B. der Stadt Freiburg errechnet sich nun durch Multiplikation der Fläche pro Einwohner mal der Einwohnerzahl von Freiburg.

Wozu die Berechung des ökologischen Fußabdrucks?

Wenn man – wie von der lokalen Agenda vorgeschlagen – Ziele für die zukünftige Flächeninanspruchnahme formulieren möchte, braucht man einen Maßstab.
Es erscheint uns dabei sinnvoll, dabei nicht nur die Fläche zu berücksichtigen, die durch Häuser, Strassen und Gewerbe, sozusagen auf einem Stadtplan, belegt ist, sondern auch die Fläche die zum Teil an ganz anderer Stelle durch den Konsum von Gütern in Anspruch genommen wird.

Erst so wird es möglich ein Ziel („Leitziel“) zu formulieren, wie z.B.: „die Bewohner der Stadt Freiburg sollen im Jahr 2020 mindestens 10% weniger „ökologische Fläche“ in Anspruch nehmen. Dieses Ziel kann formuliert werden, ohne das damit von vorneherein die Siedlungsfläche, z.B. durch Nachverdichtung, kleiner werden müsste. Das Ziel könnte z.B. auch dadurch erreicht werden, indem man an anderer Stelle spart z.B. beim Energieverbrauch oder bei der Verkehrsfläche.

Erste Ergebnisse

Der Regiowasser e.V. hat auf Grundlage der Originalberechungen von Rees und Wackernagel sowie der Ansätze zur Berechung des ökologischen Fußabdruckes von Hamburg, Berlin und Wien den ökologischen Fußabdruck von Freiburg berechnet.
Dabei wurde stark vereinfacht und es musste vielfach auf unzureichendes Datenmaterial zurückgegriffen werden.
Im Unterschied zu anderen Berechnungen, wurde auch kein spezielles Bezugsjahr gewählt. Die verwendeten Daten entsprechen jeweils dem aktuellsten Stand ihrer Verfügbarkeit.

Bei der Datensammlung wurde auf eine Vielzahl unterschiedlicher Quellen zurückgegriffen. Eine wesentlich Datengrundlage stellten die Daten der Statistischen Bundes- und Landesämter, die Fortschreibung der Klimaschutzbilanz Freiburg des Okö-Instituts, der Endbericht des Forschungsberichts „Nachhaltige Stadtteile auf innerstädtischen Konversionsflächen“ dar, sowie Zahlen des Eigenbetrieb Abfalls und von badenova.
Danach beträgt der Freiburger Fußabdruck ca. 4 ha im Durchschnitt für jeden einzelnen Bürger der Stadt Freiburg. Alle ca. 203.000 im Jahr 2003 in Freiburg gemeldeten Freiburgerinnen und Freiburger nehmen gemäß des Ansatzes des ökologischen Fußabdruckes eine Fläche von ca. 800.000 ha in Anspruch. Dies Entspricht dem 54-fachen der Stadtfläche von Freiburg, oder der Fläche eines Kreises mit einem Radius von etwa 50 km.

Bei der Größe des Fußabdrucks der Stadt Freiburg sind zwei Kategorien von großer Bedeutung.
So sind allein die beiden Kategorien Fossile Brennstoff und Ackerland für über 80% des Ökologischen Fußabdruckes verantwortlich. Die Flächenkategorie Fossile Brennstoffe die knapp 57% des Fußabdruckes ausmacht, kann bei der hier durchgeführten Methode als „virtuelle“ Waldfläche angesehen werden.

Was bedeuten diese Zahlen im erdweiten Vergleich?

Was bedeuten diese Zahlen im Verhältnis zur verfügbaren Fläche auf der Erde. Rees und Wackernagel gehen davon aus, dass etwa 7,3 Milliarden Hektar biologisch produktiver Landfläche nutzbar sind. Bei der heutigen Weltbevölkerung von etwa 6 Milliarden Menschen würde das eine durchschnittlich rechnerisch verfügbare Fläche pro Erdenbürger von 1,2 ha realer Flächeninanspruchnahme ergeben.

Wie dicht Deutschland und Baden-Württemberg angesichts des Konsums seiner Bewohner besiedelt sind, lässt sich anhand dieser Abschätzungen ebenfalls ermessen.
Deutschland hat eine Fläche von etwa 35,6 Millionen Hektar und eine Bevölkerung von etwa 82,5 Millionen. Damit stünden jedem Bundesbürger im Durchschnitt real rund 0,43 ha Fläche zur Verfügung. In Baden-Württemberg kommen auf 3,5 Millionen ha Fläche etwa 10,6 Mio. Einwohner und damit stehen pro Baden- Württemberger real nur ca. 0,33 ha Fläche zur Verfügung.

Was passiert, wenn? – verschiedene Szenarien

Auf Grundlage des ökologischen Fußabdruckes lassen sich natürlich auch Szenarien rechnen.
Angenommen die Bewohner von Freiburg würden ihren Fleischkonsum um die Hälfte verringern und dafür mehr pflanzliche Produkte zu sich nehmen. Hierbei könnten allein etwa 0,3 – 0,4 ha pro Person an virtueller Flächeninanspruchnahme eingespart werden.

Oder angenommen der Anteil an fremdbezogenem Strom könnte um 50% gesenkt werden und durch regenerative Energien (Sonne, Wind, Holz, Wasser) ersetzt werden. Damit ließe sich der ökologische Fußabdruck der FreiburgerInnen um durchschnittlich 0,2-0,3 ha pro Person verkleinern.
Oder würden alle Freiburger so energie- und flächensparend wie auf Vauban wohnen ließe sich die Flächeninanspruchnahme gar um durchschnittlich 1,5 ha verringern. Bei diesem Szenarium wurde lediglich im Vergleich zu Gesamtfreiburg der niedrigere Verbrauch an fossilen Brennstoffen auf Vauban sowie die geringere Siedlungsfläche im Vergleich zum Freiburger Durchschnitt angesetzt. Alle anderen Flächen und Konsumansätze blieben gleich.

Fehlerbetrachtung und Ausblick

Die Annahmen und Fehler bei einer solchen Betrachtung müssen zwangsläufig zunächst groß bleiben. Die Berechnung lässt sich aber in Zukunft deutlich verbessern. Ein wesentlicher Beitrag dazu wäre z.B. eine standardisierte Aufbereitung bestimmter städtischer Daten und eine entsprechend aufgeschlüsselte Aufstellung z.B. der Primärenergiedaten durch badenova.

Doch unabhängig von der Genauigkeit der Daten zeigen die vorgenommenen Berechnungen, dass eine solche Berechnung in einem zu vertretenden Aufwand ein Instrument zur Verfügung stellt, um klar umrissene Zielvorgaben für eine nachhaltigere städtische Flächenpolitik formulieren zu können und auch überprüfbar zu machen.

In diesem Sinne hoffen wir, dass die Bürger und die Politik dieses Instrument im Rahmen der aktuellen Flächendiskussion nutzen und einsetzen werden.

Literatur

Wackernagel, Mathis & William Rees (1997): Unser ökologischer Fußabdruck – Wie der Mensch Einfluß auf die Umwelt nimmt. Birkhäuser Verlag, Basel: 194 S.

Einige wichtige Links

www.naturalstrategies.com

www.agenda21-netzwerk.de/footprint

www.rprogress.org/programs/sustainability

www.vms.at/3/3_2_4_6.htm

www.nachhaltigkeit.aachener-stiftung.de

www.myfootprint.org

www.redefiningprogress.org/

www.ecouncil.ac.cr/rio/focus/report/english/footprint/ranking.htm

www.ecologicalfootprint.com

www.waterfottprint.org

Eine Liste wie diese kann natürlich nie komplett sein. Helfen Sie uns! Schreiben Sie eine Mail an : post(at)regiowasser.de