Aquatische Städtepartnerschaften – Globalisierung von unten!
Ein geplantes Projekt im Rahmen der Lokalen Agenda 21 (beantragt)
Kurzbeschreibung:
Durch die “Aquatische Städtepartnerschaft” soll der wasserwirtschaftliche Erfahrungsaustausch auf der kommunalen Basisebene angekurbelt werden – in einem ersten Schritt zwischen Freiburg und seinen in Europa gelegenen Partnerstädten (also Innsbruck (Österreich), L’viv/Lemberg (Ukraine), Granada (Spanien), Besançon (Frankreich), Padua (Italien), Guilford (Großbritannien)) sowie Isfahan im Iran.
Wasser ist die existentielle Lebensgrundlage aller Städte. Eine effiziente kommunale Wasserwirtschaft ist die Basis für den Wohlstand in Freiburg genau so wie in den Partnerstädten von Freiburg. Zugleich ist der ökologische Umgang mit den Wasserressourcen und mit den wassergebundenen Stoffströmen ein wichtiger Bestandteil in den kommunalen und regionalen AGENDA 21-Prozessen. Je nach technischem Standard, kulturellen Einstellungen sowie klimatischen und naturräumlichen Besonderheiten der jeweiligen Regionen sind Wasserförderung, -aufbereitung und -verteilung sowie die Abwasserreinigung in den Partnerstädten unterschiedlich organisiert. Das Herausarbeiten von Gemeinsamkeiten und Unterschieden im Rahmen einer “Aquatischen Städtepartnerschaft” könnte bei allen Beteiligten durchaus kreative Lernprozesse in Gang setzen.
Der Arbeitskreis des Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz plant in Zusammenarbeit mit dem Regiowasser 2005 die Partnerstädte von Freiburg “wassermäßig” zusammen zu schalten – und zwar in folgendem Sinn: Neben dem paneuropäischen Kennenlernen der Wasserfachleute in den Partnerkommunen, soll durch den wasserwirtschaftlichen Erfahrungsaustausch ein “Benchmarking“ zwischen den Kommunen erreicht werden: Wer hat wo besonders gute Einfälle realisiert, die in den anderen Kommunen (gfs. nach lokalspezifischer Anpassung) übernommen werden können.
Primäres Ziel wäre aber der Beginn eines Wissens- und Erfahrungstransfers in die Partnerstädte in der Ukraine (L’viv; ehemals Lemberg) und in Persien (Isfahan), wo wasser- und abwassermäßig ein ziemlich Notstand herrscht. Zumindest wissen wir das von Lemberg. Am dortigen “Vorfluter” (der “Bug”) wird derzeit im Rahmen des EU-Tacis-Programms eine Mischung aus Bewirtschaftungsplan und wasserwirtschaftlichen Rahmenplan erstellt, so daß wir im Hinblick auf die desolate Abwassersituation (völlig überlastete Kläranlage) auf die entsprechenden Erkenntnisse des Projekts “Transboundary Water Quality; Monitoring and Assessment” zurückgreifen können.
Genauere Beschreibung und Arbeitsschritte
Wir versuchen
- die FEW (Freiburger Energie- und Wasserversorgung AG)
bzw. BADENOVA (ehemals LOHENGRIN), - den Eigenbetrieb Stadtentwässerung (EBS)
- das Freiburger Umweltschutzamt
- das Bau- und das Umweltdezernat
- und den Abwasserzweckverband
von der Idee zu überzeugen.
In einem weiteren Schritt sollten die Gemeinderatsgruppierungen von der Idee überzeugt werden. Der Gemeinderat soll sich das Projekt zu eigen machen und auf seine Fahnen schreiben!
Wir nehmen direkt und/oder über die Stadtverwaltung sowie über FEW und EBS Kontakt mit den vergleichbaren Institutionen in den Partnerstädten auf – außerdem natürlich mit dortigen BIs, A21-Gruppierungen und Umweltverbänden (soweit es dort entsprechende Gruppierungen überhaupt gibt) und zu den eventuell vorhandenen wasserwirtschaftlichen Lehrstühlen der dortigen Unis. Für die Lehrstühle an der hiesigen Uni, die ein potentielles Interesse an einer Mitwirkung haben könnten, organisieren wir eine Auftaktveranstaltung, auf der wir das Projekt und die möglichen “Tandem-Diplomarbeiten” den Profs und Assis vorstellen.
Wir versuchen, alles über die kommunale Wasserwirtschaft in den Partnerkommunen in Erfahrung zu bringen (auch über Internetrechechen). Gleichzeitig schlagen wir den oben angesprochenen Lehrstühlen an der hiesigen Uni vor, vergleichende Studien im Rahmen von Diplomarbeiten zu vergeben. Ferner versuchen wir, das Personal der mit der hiesigen Wasserwirtschaft befaßten Behörden und Unternehmen mit in das Projekt einzubinden. Das Projekt könnte beispielsweise anläßlich von Betriebs- und Personalversammlungen bei BADENOVA und in der Unteren- und Oberen Wasserbehörde vorgestellt werden – über den “regioWASSER2005“ sowieso.
Die A21-Förderung des Landes sieht vor, daß die jeweils geförderten Projekte immer bis zum Jahresende beendet sein sollten. Das Projekt “Aquatische Städtepartnerschaft“ ist aber längerfristig angelegt. Das bedeutet, daß wir uns um eine Nachfolgefinanzierung bemühen müssen. Das sollte neben einem Folgeantrag beim baden-württembergischen A21-Fond vor allem über die EU-Schiene laufen (vielleicht via ICLEI oder über “Wasser Solidarität Europa”), möglicherweise wären auch Stiftungen (beispielsweise Bertelsmann-Stiftung) bereit, die Aktivitäten im Jahr 2002 und 2003 zu finanzieren. Die Mittelbeschaffung für die Folgejahre wäre somit auch eine wichtige Aufgabe, um die man sich in diesem Jahr dringend kümmern müßte!
Die Aktivitäten im Jahr 2001 würden sich also auf folgende Schritte konzentrieren:
- Kontaktanbahnung und -Ausbau
- “Begeisterung” schaffen für das Projekt
- Informationsbeschaffung und Recherchen
- Vergabe von Diplomarbeiten
- Akquisition von Geldern für die Folgeschritte im Jahr 2002
Aufgrund dieser Vorarbeiten und Recherchen im Jahr 2001 laden wir Delegationen aus den Partnerstädten zu den “2. Freiburger Wassertagen“ im März 2002 ein. Die Delegationen sollten aus VertreterInnen der Wasser- und Abwasserbetriebe (nicht nur die Chefs, sondern auch “Normalos”!), der Wasserwirtschaftsverwaltungen, der wasserforschenden Lehrstühle an den dortigen Unis sowie den Umweltgruppierungen in den Partnerstädten bestehen. Auf den “2. Freiburger Wassertagen” berichten die Delegationen über die Probleme und die beispielgebenden Highlights in ihren Kommunen. Soweit schon Ergebnisse aus den oben vorgeschlagenen Diplomarbeiten vorliegen, könnten auch diese Ergebnisse referiert werden.
Projektträger
Arbeitskreis Wasser im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V. (BBU)
Formeller Ansprechpartner:
Herrn Dipl. Biol. Nikolaus Geiler
Ak Wasser im BBU
Rennerstraße 10
79106 Freiburg
Tel.: 0761/275 693
Fax: 0761/288 216
e-mail: nik@akwasser.de
Das Projekt einer “Aquatischen Städtepartnerschaft“ entspricht einem Vorschlag des UN-Entwicklungsprogramms. Hierzu und zu vergleichbaren Ansätzen in Niedersachsen zwei Notizen aus dem BBU-WASSER-RUNDBRIEF Nr. 569 an:
Städtesolidarität! Für die Dezentralisierung der Entwicklungshilfe!
Eine Dezentralisierung der Entwicklungshilfe haben Bürgermeister und Gemeinderäte aus über 100 Städten zum Abschluß eines vom UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) organisierten Meetings Anfang April 2000 in Genf gefordert. Dazu sollen die Städte der reichen Länder künftig mehr Mittel direkt den Städten der Länder der Dritten Welt (“Tricont”) zukommen lassen. “Eine Dezentralisierung der Entwicklungshilfe rechtfertige sich vor allem deshalb, weil ein immer grösserer Teil der Bevölkerung in Städten lebe und die Zusammenarbeit zwischen den Städten oft einfacher und effizienter als die bilaterale Zusammenarbeit auf staatlicher Ebene funktioniere“ erklärte lt. NZZ vom 6.4.00 der Bürgermeister von Dakar:
“Die Abgeordneten der Städte seien über die Probleme der urbanen Zentren in der Regel besser informiert als die Vertreter der Landesregierungen und könnten deshalb die Hilfsgelder oder Hilfsgüter effizienter einsetzen.”
Beim Genfer Meeting der 250 Bürgermeister und Gemeinderäte wurde zudem vereinbart, daß über das UNDP eine Informationsplattform geschaffen werden soll, damit via Internet der Infoaustausch und die globale Zusammenarbeit zwischen den Kommunen in den Industriestaaten und im Tricont intensiviert werden kann.
Abwasserpatenschaften zwischen deutschen & ausländischen Städten
Unabhängig von dem zuvor erwähnten Projekt einer globalen Städtepartnerschaft hat die “kommunale Umwelt-AktioN” (U.A.N.) in Niedersachsen das Projekt “Abwasserpatenschaften” initiiert. Die Tochterorganisation des niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes hat die deutschen Kommunen aufgerufen, Abwasserpatenschaften für ausländische Städte und Gemeinden zu übernehmen. Bereits bestehende Städtepartnerschaften könnten um Abwasserpartnerschaften ergänzt werden. [Wir schlagen vor, daß auch die bereits bestehenden kommunalen “Klimabündnisse” durch “Wasserbündnisse” erweitert werden.] Die U.A.N. bietet an, diese Partnerschaften organisatorisch und inhaltlich zu betreuen und zu unterstützen. Gefördert werden sollten vor allem lowtech-Verfahren, die kostengünstig auch im ländlichen Raum in Osteuropa installiert und betrieben werden könnten. Gerade den Dörfern und Kleinstädten in den EU-Beitrittskandidaten in Osteuropa soll damit die Möglichkeit gegeben werden, preisgünstig die Anforderung der EG-Gewässerschutz-Richtlinien zu erfüllen. In Deutschland erprobte Verfahren sollen “praxisnah und dauerhaft an ausländische Gemeinden und Städte weitergegeben” werden. Am 22.6.00 wurden auf dem internationalen Symposium “Konzepte zur Abwasserbehandlung im ländlichen Raum in Europa” die ersten Abwasserpartnerschaften vorgestellt: “Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch in ländlichen Regionen in Europa zu organisieren steht im Mittelpunkt der Initiative”, so FRITZ BRICKWEDDE, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die die Initiative sponsert.
Weitere Auskunft:
Kommunale Umwelt-AktioN (U.A.N.)
– Projekt Abwasserpatenschaften –
– Herrn Projektleiter Manfred Klein –
Arnswaldtstr. 28
30159 Hannover
Tel.: 0511/30285-60, Fax: -56
e-mail: uan@nsgb.de
Internet: http://www.uan.de/