Durch Trinkwasser übertragene Brechdurchfälle

Allgemein

Salmonellen, Campylobacter, Cryptosporidien, Giardien, enterohämorrhagische Escherichia coli (E HEC), Hepatitisviren und Co. Bakterielle, virale und parasitäre Erkrankungen mit diesen Infektionserregern machen einen Gutteil der Infektionskrankheiten aus, mit welchen die moderne Industriegesellschaft fertig werden muss. Einen großen Anteil daran haben die reiseassoziierten Durchfallserkrankungen. Die weitaus meisten dieser Erkrankungen sind jedoch im gewöhnlichen Umfeld des Erkrankten durch Speisen und/oder Getränke erworben. Häufigste Ursache dieser Erkrankungen sind Speisen die nicht richtig zubereitet werden, wie z. B. Eier, Speisen hergestellt aus Eiprodukten, Geflügel und Fleisch.

Zu den flüssigen Medien in denen sich Infektionserreger befinden können, zählt auch das Trink- und Mineralwasser. Trinkwasser zählt zu den bestüberwachten Lebensmitteln überhaupt. In der Bundesrepublik sind die Gesundheitsämter für die Überwachung zuständig. Gesetzliche Grundlage ihrer Tätigkeit ist die Trinkwasserverordnung. Die Trinkwasserverordnung wiederum hat ihren Ursprung in der Richtlinie der Europäischen Union 98/83.

Obwohl nach Trinkwasserverordnung regelmäßig mikrobiologische Untersuchungen des Trinkwasser durchgeführt werden, sind direkte Untersuchungen auf manche Krankheitserreger in der täglichen Praxis noch nicht möglich, sei es, dass es noch keine Methode gibt, oder die auf dem Markt befindliche Methode nicht genügend praxistauglich ist. Beispielsweise benötigt eine Untersuchung auf Cryptosporidien seitens der Probenahme eine Menge von 240 Litern Wasser welche durch einen Wickelfilter gepresst werden. Im Labor kommen molekulare Untersuchungsmethoden .zum Einsatz. Technologisch gesehen, ganz abgesehen vom Arbeitsaufwand, ist das ein riesiger Unterschied zu den Bebrütungstechniken um einen E. coli zu bestimmen. So bleibt nur das Indikatorprinzip, wobei bei einem positiven E. coli Befund automatisch davon ausgegangen wird, dass Krankheitserreger, gleich welcher Art, im Trinkwasser sind.

Zum Prinzip des Trinkwasserschutzes gehört das Konzept der Schutzgebiete. Was bei öffentlichen Trinkwasserversorgungen noch ganz gut klappt, ist bei sogenannten Kleinanlagen schon schwieriger zu erreichen. Dass dieses Problem nicht ganz trivial ist, zeigen die Zahlen. Bundesweit werden schätzungsweise eine Million Menschen mit Wasser aus einer eigenen Quelle oder einem eigenen Tiefbrunnen versorgt. Dabei gibt es keine Schwerpunkte auf einzelne Bundesländer. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass für derartige Anlagen ein Schutzgebiet, welches in erster Linie Schutz vor mikrobiologischen Kontaminationen bieten soll, nur sehr schwer zu erreichen ist. Während im öffentlichen Bereich Entschädigungsgelder für Nutzungseinschränkungen bezahlt werden, ist im privaten Bereich nur in den seltensten Fällen eine Entschädigung zu erreichen. Daher sind diese Anlagen naturgemäß vulnerabel, eine Übertragung von Krankheitserregern über das Trinkwasser ist durchaus denkbar und in der Vergangenheit auch schon vorgekommen.

Aber die Schutzgebietskonzeption bei öffentlichen Trinkwasserversorgungen verhindert nicht, dass Krankheitserreger durch landwirtschaftliche Nutzung in das Trinkwasser gelangen können. So sind um die Jahreswende 2000 in Rengsdorf in Rheinland-Pfalz, erstmalig in der Bundesrepublik Personen an durch Trinkwasser übertragenen Giardien (Giardia lamblia) erkrankt.

Die Lebensmittelkontrolle in der Bundesrepublik liegt in den Händen der Gesundheitsämter. Lediglich in Baden-Württemberg ist dies Dienstaufgabe des Wirtschaftskontrolldienstes (WKD). Die Beamten des WKD sind Polizeibeamte, die bei Ihren Überwachungsaufgaben durch Mitarbeiter des Gesundheitsamtes unterstützt werden. Die dabei entnommenen Lebensmittelproben werden durch staatliche Laboratorien untersucht. So werden auch regelmäßige Proben bei den Mineralwasserherstellern entnommen.

Im Jahr 2001 ließen Untersuchungen aus der Schweiz aufhorchen. Dort wurden ebenfalls im Zuge der Lebensmittelüberwachung in einem Labor Viren aus Mineralwasser isoliert. Ein Teil der Untersuchungsergebnisse wurde in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht. Diese Ergebnisse haben einen entsprechenden Wirbel verursacht. Das hat dann z. B. dazu geführt, dass Untersuchungsergebnisse, aus Sorge vor Regressansprüchen nicht mehr veröffentlicht werden.

Was sind Cryptosporidien?

An dieser Stelle soll näher auf die Cryptosporidien eingegangen werden. Zur Zeit ist Cryptosporidium parvum zusammen mit Giardia lamblia der wichtigsten Erreger bei wasserbedingten Ausbrüchen weltweit. Zwar sind diese Parasiten nicht neu, der erste Nachweis war bereits 1954, Cryptosporidien wurden 1984 zum ersten Mal mit einer wasserbürtigen Erkrankung in Verbindung gebracht, aber sie sind erst seit Milwaukee erst so richt bekannt. Beim dortigen Ausbruch 1993 waren 400000 Einwohner erkrankt. Seither ist Cryptosporidium auch in Deutschland ein Thema, zumindest in Fachkreisen.

Cryptosporidien sind Protozoen (Einzeller). Die Verbreitung ist weltweit. Der Infektionsweg ist fäkal-oral durch Aufnahme von infektiösen Oozysten. Die Verbreitung durch Trinkwasser oder durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch oder Tier zu Mensch ist möglich. Insbesondere Kinder, Reisende und Tierpfleger sind betroffen. Der Mensch, Rinder und andere Haus- und Nutztiere stellen das Reservoir dar. Auch ein Autoinfektionszyklus ist bekannt. Möglicherweise können die Oozysten auch durch Inhalation aufgenommen werden.

Die Dauer der Inkubation beträgt wahrscheinlich im mittel 7 Tage (1 - 12 Tage möglich).

Bei immunkompetenten Personen verläuft die Infektion meist milde oder asymptomatisch. Die Patienten beklagen wässrige Durchfälle, Bauchkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen, starke Blähungen und bisweilen auch Fieber und Gelenkschmerzen. Die Beschwerden treten meist unmittelbar nach Nahrungsaufnahme auf. Bei Patienten mit intaktem Immunsystem kommt es wahrscheinlich nahezu ausschließlich zu einer Besiedelung des Dünndarmepithels. Bei Immunschwäche hingegen, insbesondere bei AIDS, kann es zu einer massiven Invasion des Epithels des gesamten Verdauungstraktes und auch des Respirationstraktes kommen. Während die Symptomatik bei immunkompetenten Individuen in der Regel nach 2 Wochen sistiert (es ist jedoch auch eine mehrere Monate andauernde Symptomatik beschrieben worden), schreitet sie bei bestehender Immundefizienz weiter fort. Die Patienten leiden unter massiven Durchfällen, abdominellen Schmerzen, gefolgt von raschem Gewichtsverlust. Bei Befall der Gallenwege werden schwerste kolikartige Oberbauchbeschwerden und Erbrechen beklagt.

Regiowasser e. V. führt Studie durch

Seit dem Jahr 2002 wird durch den Regiowasser e. V. mit Mitteln des Innovationsfonds eine Studie zum Thema "Cryptosporidien im Trinkwasser und mögliche gesundheitliche Auswirkungen auf die Bevölkerung" durchgeführt. Ziel der Studie ist es, mögliche mikrobielle Gefährdungspotentiale in der Trinkwasserversorgung zu identifizieren.

Arbeitsprogramm

Untersuchungen des abgegebenen Wassers eines Wasserwerks:

Die Dauer des Projektes umfasst ein Jahr, um alle Jahreszeiten und damit Witterungsbedingungen zu erfassen (z. B. Starkniederschläge etc.). Um das gesamte abgegebene Wasser des Wasserwerks untersuchungstechnisch zu erfassen, sind die Probenahmestellen Sammler 1 und Ablauf Zentralsammler (in den alle anderen Sammler und Brunnen einspeisen) zu beproben. Neben mikrobiologischen Untersuchungen sind hierbei auch physikalischchemische Kenngrößen wie Temperatur, Leitfähigkeit, Trübung sowie Niederschläge zu erfassen. Die Probenamehäufigkeit sollte in der Regel ein Mal pro Woche sein, um eine annähernd kontinuierliche Erfassung der Wasserqualität zu ermöglichen.

Die mikrobiologischen Untersuchungen sollen folgende Parameter umfassen:

Bakterien (z. B. Campylobacter) sowie konventionelle Trinkwasseruntersuchungen auf E. coli, coliforme Keime, Fäkalstreptokokken, Clostridien.

Epidemiologie

Epidemiologisch wird die Untersuchung durch den Verein Regiowasser e. V. betreut.

Da das Wasserwerk in unterschiedlichen Bereichen das Trinkwasser gewinnt, und diese Bereiche ein unterschiedliches Gefährdungspotential besitzen, werden zwei Gruppen gebildet, aus welchen die Teilnehmer an der Untersuchung gewonnen werden. Das wären zum einen aus dem Bereich des 1. Wasserwerks, mit relativ flachen Tiefbrunnen, mit bekanntermaßen belastetem Einzugsgebiet und dem 2. Wasserwerk mit, was mikrobiologische Belastungen angeht, sehr gut geschütztem Trinkwasser (Tiefbrunnen in Tiefe von 90 - 120 Metern).

Im Rahmen der hier geplanten Untersuchungen wird als Studiendesign das einer Fall-Kontroll Studie gewählt. Die Fälle setzen sich aus den Erkrankten des einen Bereichs (hier aus dem 1. Wasserwerk) zusammen, die Kontrollen aus Erkrankten aus dem Bereich des 2. Wasserwerks.

Für die Auswahl der Probanden muss mit den Ärzten in der Raumschaft, den Gastroenterologen, den Fachärzten für Innere Medizin und den praktischen Allgemeinärzten zusammengearbeitet werden. Jeder ihrer Patienten muss dann ein genau definiertes Untersuchungsprogramm absolvieren.

Die Stuhluntersuchungen der Patienten werden durch ein staatlich zugelassenes Labor untersucht.

Folgende Kriterien dienen als Falldefinition zur Akquirierung der Patienten für die geplante Studie:

Erkrankung an einer Enteritis mit cholera-ähnlichen Durchfällen, die Erkrankungsdauer sollte mehrere Tage sein (bis zu 4 Tagen, da ab dem 4. Ta g Zysten ausgeschieden werden).

Die Auswahl der Kontrollen sollte auf genau dem gleichen Weg erfolgen. Beide Gruppen werden mittels eines Fragebogens auf eventuelle Risikofaktoren, was die Lebensmittelaufnahme angeht, untersucht.

Ergebnisse werden im 4. Quartal des Jahres 2004 vorliegen.