Einsam - Zweisam - Dreisam:
- Partizipation, Fachliche Begleitung an einem urbanen Gewässer -

Geplantes Projekt im Rahmen der Lokalen Agenda 21

1. Zusammenfassung:

Eine Vielzahl von Gruppen beschäftigte sich in den letzten Jahren mit der Gewässerentwicklung und der Stadtentwicklung der "Dreisam" im Bereich Freiburg. Im Zuge der zügig voranschreitenden Arbeiten zum Ausbau der B31-Ost ergeben sich in Zukunft vielfältige Möglichkeiten, den urban geprägten Fluss - die Dreisam - in fast allen Belangen noch attraktiver und ökologisch verträglicher in die gesamte Entwicklung der Stadt Freiburg einzubeziehen. Bisher fehlt es jedoch an einem geeigneten Anfang dieser notwendigen Partizipation im Rahmen der Agenda 21. Dieses übergeordnete Ziel hat das Projekt. Dabei beschränken sich die im Rahmen dieses Antrags geplanten Teilziele zunächst auf 4 wesentliche Punkte:

Information

Fachliche Begleitung

Partizipation

Durchführung von "Runden Tischen" zu den folgenden aktuellen Themen in Anlehnung an die Methode "Planning for Real":

Erfolgskontrolle bei der Vermittlung von Information, Fortführung und Übertragbarkeit dieser Ergebnisse

Aufbereitung erster Ergebnisse, Akquisition weiterer Mittel und Darstellung der zu übertragenden Teilergebnisse und Erfahrungen auf vergleichbare Projekte.

Das beantragte Projekt "Gewässerentwicklung Dreisam" ist das erste Projekt des Arbeitskreises Regiowasser2005 zur fachlichen Begleitung bürgerschaftlichen Engagements.

Ein Projekt der Bürgerbeteiligung in einem solchen Rahmen, in dem wesentliche Teile des lokal vorhandenen wasserwirtschaftlichen Sachverstandes sich dem bürgerschaftlichen Engagement und der Beteiligung verpflichtet fühlen und somit selbst zu einem Teil bürgerschaftlicher Mitsprache werden, dieser Versuch dürfte richtungsweisend und bisher einmalig sein.

2. Grundlagen

Derzeit ist die Dreisam in weiten Bereichen auf beiden Seiten durch eine 2-spurige Bundesstraße eng begrenzt. Die Straße trennt nicht nur die verschiedenen Stadtteile voneinander, sondern auch die Bewohner von der Dreisam. Es gibt bis auf ganz wenige Elemente überhaupt keine verbindenden oder einladenden Übergangsbereiche (wie z.B. einladende Verbindungswege, Hinweisschilder, Cafes, Kunst, Angebote, Informationen, landschaftliche Besonderheiten etc.). Dass die bereits seit 1817 ausgebaute Dreisam und bis heute sehr monoton gestaltete Dreisam an schönen Tagen dennoch von zahlreichen Freiburgern zur alltäglichen Erholung genutzt wird und der uferparallele Weg für Fahrradfahrer zur Hauptachse in Ost-West-Richtung geworden ist, grenzt angesichts der Rahmenbedingungen an ein Wunder. Es zeigt, dass der Bedarf an innerstädtischen Erholungsräumen in seiner Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden kann und bereits wenig attraktive Angebote genutzt werden. Angesichts dieser Ausgangslage ist das Entwicklungspotential der Dreisam bereits auf den ersten Blick in allen Belangen schier unendlich. Die Voraussetzungen dafür, die Entwicklungsmöglichkeiten an der Dreisam zu nutzen und diesbezügliches vorhandenes Engagement zu unterstützen, an das Licht der Öffentlichkeit zu bringen und fachlich zu begleiten sind günstig und geradezu ein Gebot der Stunde:

3. Beschreibung und Arbeitsschritte

Wir (Regiowasser2005) versuchen, in einem ersten Schritt, die uns bekannten Gruppierungen zunächst an einen Tisch zu bekommen, sie in einem zweiten Schritt zu informieren und in einem dritten Schritt Austausch und Diskussion zu einzelnen gezielten Fragen und Projekten fachlich zu begleiten

In einem weiteren Schritt sollen die einzelne Vertreter des Gemeinderats von der Idee einer Neuorientierung an und um die Dreisam und der dazu notwendigen Partizipation überzeugt werden. Letztlich soll und muß sich der Freiburger Gemeinderat und in deren Auftrag die Verwaltung das Projekt zu eigen machen!

Wir hoffen über unsere institutionelle Zusammensetzung die richtigen und notwendigen Akzente setzen zu können und die verschiedenen zum Teil gegeneinander arbeitenden Teile der Verwaltung für dieses Projekt zu gewinnen. Dies sieht der Regiowasser2005 als eine der zentralen Aufgaben an.

Die A21-Förderung des Landes sieht vor, daß die jeweils geförderten Projekte immer bis zum Jahresende beendet sein sollten. Das Projekt "Dreisam" ist langfristig angelegt. Das bedeutet, daß wir im hier beantragten Projekt "nur" einen ersten Schritt unternehmen, d.h. ausgewählte und/oder ohnehin anstehende Aufgaben (z.B. Diskussion Gewässerentwicklungsplan) ins rollen bringen. Darüber hinaus wollen wir mit den einzelnen Akteuren gemeinsam versuchen, die zukünftig notwendige weitere Finanzierung zu erarbeiten.

Die Aktivitäten im Jahr 2001 werden sich also auf folgende Schritte konzentrieren:

A) Information

Es fehlt an der Bündelung und Verbreitung der Überlegungen zur Dreisam von verschiedensten Gruppierungen. Dies beginnt mit der öffentlichen Vorstellung des Gewässerentwicklungsplanes, den die Gewässerdirektion in Waldshut erstellt hat. Hierzu bedarf es der fachlichen Begleitung, um notwendige Zusatz- und Hintergrundinformationen den Betroffenen und engagierten/interessierten Gruppen zur Verfügung stellen zu können.

Koordinierung und Bündelung der Interessen, gezielte Recherchen, öffentlichkeitswirksame Aufbereitung von Unterlagen etc.

Organisation und Durchführung mehrerer Informationsveranstaltungen zu allen Interessen, Vorhaben und Visionen zur Förderung der Erholungsnutzung und der Gewässerentwicklung an der Dreisam (Gewässerentwicklungsplan Dreisam)

Allgemeinverständliche und Öffentlichkeitswirksame Darstellung verschiedener Sachverhalte (Pro und Kontra, Aufzeigen von Lösungsansätzen, Aufbereitung von gelungenen Beispielen)

B) Fachliche Begleitung

Aufklärung über Zuständigkeiten und Entscheidungswege:

Um Bürger und Intressengruppen an Entscheidungen partizipieren zu lassen bzw. sie in die Aktivitäten einzubinden, müssen die komplizierten Zuständigkeiten rund um die Gewässer und die Entscheidungswege vermittelt werden. Die fachliche Begleitung soll an konkreten Beispielen, wie dem Gewässerentwicklungsplan der Dreisam zeigen, welche Ämter in welchen Themenbereichen wie zusammenwirken und wie bisher wasserwirtschaftliche Entscheidungen zustande kommen. Darüber hinaus ist es für eine fundierte Diskussion immer wieder notwendig Kapazitäten für die Aufbereitung notwendiger Unterlagen zu haben und ggf. Recherchen zu auftretenden Sachfragen oder Optionen leisten zu können.

C) Partizipation

Durchführung von "Runden Tischen" zu den folgenden aktuellen Themen in Anlehnung an die Methode "Planning for Real":

D) Erfolgskontrolle bei der Vermittlung von Information, Fortführung und Übertragbarkeit dieser Ergebnisse

Aufbereitung erster Ergebnisse, Akquisition weiterer Mittel und Darstellung der zu übertragenden Teilergebnisse und Erfahrungen auf vergleichbare Projekte. Bei der Auswertung der ersten Veranstaltungen stehen folgende Fragen im Vordergrund:

  1. Der Agenda 21 Prozess selbst: Was kann idealer Weise die Rolle der Bürger sein, die übergeordneten Ziele der Agenda 21 zu erreichen? Was wünscht sich die Verwaltung? Wo und wie können die Bürger mitwirken? Diese Fragen sollen mit allen Parteien am konkreten Beispiel "Entwicklung der Dreisam" diskutiert bzw. umgesetzt werden.
  2. Visionen und Realitäten: Eine Chance der Bürgerbeteiligung liegt darin, dass Visionen und Sorgen von Bürgen vor der Planung durch Behörden und Ingenieurbüros erkannt werden. Im konkreten Fall sollen Visionen entwickelt werden, was der Stadtfluss "Dreisam" für die Identität der Freiburger bisher bedeutet und in Zukunft bedeuten soll. Damit soll verhindert werden, dass die anstehenden Entscheidungen sich auf das Verwalten von planungstechnischen Aufgaben (Tunnelbau, Verkehrsbewältigung, Hochwasserschutz) beschränken. Ob diese Chance im Falle eines urban geprägten der Dreisam

4. Beteiligte Akteure

Zusätzlich zu den bisherigen Mitgliedern des AK Regiowasser2005 (vgl. unter 2.) soll die Gewässerdirektion Waldshut als zuständige Wasserbehörde für die Dreisam zu Fragen des Gewässerausbaus, des Hochwasserschutzes sowie der Gewässerpflege und -entwicklung eingebunden werden. Darüber hinaus die zahlreichen sich eher noch informell zum Thema Dreisam Gedanken machenden Gruppen wie Architekten, Stadt- und Regionalplaner, Landschaftsplaner, BUND, verschieden Naturschutzgruppen, Bürgervereine, Bachpaten etc. sowie selbstverständlich jeder an der Dreisam Interessierte.

5. Teilziele:

Ökologie

Es gibt eine Reihe von Vorschlägen zur ökologischen Umgestaltung und Verbesserungen der Dreisam. Als Beispiele sind zu nennen,

Im Hinblick auf die hier genannten Fragen könnte sich der Lehrstuhl für Hydrologie sowie die Wirtschaftsgeographie in der Geographischen Fakultät, sowie das Institut für Landespflege im Rahmen von Diplom- und Doktorarbeiten engagieren und langfristig auch entsprechende Erfolgskontrollen durchführen.

Ökonomie

Im Detail stellt sich die Frage, ob mit einer Beteiligung der Bürger von Anfang an und einer entsprechenden fachlichen Begleitung zukünftige Fehlentwicklungen vermieden, Identifikation gefördert und damit bei allen umgesetzten Maßnahmen auch Kosten gespart werden kann.

Soziales

Hierbei stellt sich die Frage, in wieweit die fachliche Begleitung der Partizipation ein notwendiges Instrument einer sozialverträglichen Vereinbarkeit von verschiedensten Interessen ist?

Partizipation

In der bisherigen Praxis werden heute z.B. Gewässerentwicklungskonzepte salopp gesprochen "von oben verordnet" - und zwar von Ämtern und Ingenieurbüros. Dem gegenüber schlagen EU-Rechtsentwürfe und die Vereinbarungen des Umweltgipfel in Rio vor, die betroffenen Interessengruppen von Beginn an "am Runden Tisch" zu versammeln. Vor (!) einer Planung "von oben" soll mit den Betroffenen in einem "planning for real" zuerst eine Standortbestimmung "von unten" vorgenommen werden. Die behördliche Planung kann auf Grundlage dieser Anregungen dann Entwicklungspläne erstellen, die schließlich im Dialog mit den Bürgern ausgeführt werden können.

Diese unterschiedlichen Partizipationsmöglichkeiten bei wasserwirtschaftlichen Entscheidungen umzusetzen, z.B. bei der öffentlichen Diskussion zum "Gewässerentwicklungsplan Dreisam", bilden einen Schwerpunkt des geplanten Projektes. Sie sind über Freiburg hinaus ein interessantes Thema in Hinblick auf die lokale AGENDA 21.

Im Projekt für die verschiedenen Gruppen zu bearbeitende Fragen sind: Wie laufen die wasserwirtschaftlichen Entscheidungen bisher und welche Möglichkeiten bzw. Notwendigkeiten partizipativer Entscheidungsfindungen gibt es in Zukunft? Welche Einflussmöglichkeiten haben die Gemeinderäte? Wie werden die Einflußmöglichkeiten durch die verschiedenen Gruppen, vor allem durch die Bürger, genutzt?